In den traditionellen Bäckereien Kärntens duftet es zur Osterzeit nach einem ganz besonderen Gebäck: die Osterpinze mit Anis. Dieses jahrhundertealte Traditionsrezept aus Österreichs südlichstem Bundesland vereint fluffigen Hefeteig mit der charakteristischen Note von Anis und überrascht jeden Gast mit seiner einzigartigen Textur und seinem unverwechselbaren Geschmack. Was dieses Gebäck so besonders macht, ist die Kombination aus butterweichem Teig, einer glänzenden Oberfläche und dem würzigen Aroma, das an vergangene Zeiten erinnert. Die Zubereitung erfordert zwar etwas Geduld, doch das Ergebnis rechtfertigt jeden Arbeitsschritt. Mit dieser detaillierten Anleitung gelingt die perfekte Osterpinze garantiert, selbst Backanfängern.
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Zutaten
Utensilien
Zubereitung
1. Vorteig ansetzen
Die lauwarme Milch in eine kleine Schüssel geben. Die frische Hefe hineinbröckeln und mit einem Teelöffel Zucker verrühren. Etwa 10 Minuten an einem warmen Ort stehen lassen, bis die Mischung schaumig wird. Dieser Vorgang aktiviert die Hefe und sorgt später für einen luftigen Teig. Die Temperatur der Milch ist entscheidend: sie sollte handwarm sein, etwa 37 Grad, damit die Hefekulturen optimal arbeiten können.
2. Hauptteig herstellen
Das Mehl in die Schüssel der Küchenmaschine sieben. Eine Mulde in der Mitte formen und den Hefeansatz hineingießen. Den restlichen Zucker, das Salz, die gemahlenen Anissamen, die abgeriebene Zitronenschale, den Rum, die zwei Eigelb und das ganze Ei hinzufügen. Mit dem Knethaken ein Aufsatz der Küchenmaschine zum intensiven Verarbeiten von Teigen auf niedriger Stufe beginnen, die Zutaten zu vermischen. Nach etwa 2 Minuten die weiche Butter in kleinen Stücken zugeben und weiterkneten.
3. Teig intensiv kneten
Die Geschwindigkeit erhöhen und den Teig etwa 8 bis 10 Minuten kneten lassen, bis er sich vom Schüsselrand löst und eine glatte, elastische Konsistenz entwickelt. Der Teig sollte leicht glänzen und beim Ziehen nicht sofort reißen. Diese intensive Knetphase entwickelt das Glutennetzwerk Eiweißstruktur im Mehl, die dem Teig Stabilität verleiht, das für die typische fluffige Struktur der Osterpinze verantwortlich ist.
4. Erste Gehzeit einhalten
Den Teig zu einer Kugel formen und in eine leicht geölte Schüssel legen. Mit einem sauberen Küchentuch abdecken und an einem warmen, zugfreien Ort etwa 60 bis 90 Minuten gehen lassen. Der Teig sollte sich deutlich vergrößern und sein Volumen verdoppeln. Ein idealer Ort ist beispielsweise der leicht erwärmte Backofen bei etwa 30 Grad oder in der Nähe einer Heizung.
5. Teig formen
Den aufgegangenen Teig vorsichtig aus der Schüssel nehmen und auf einer leicht bemehlten Arbeitsfläche kurz durchkneten, um die Luft herauszulassen. Den Teig in vier gleich große Stücke teilen. Jedes Stück zu einem glatten Strang von etwa 30 Zentimeter Länge rollen. Die vier Stränge nebeneinander legen und an einem Ende zusammendrücken. Nun einen lockeren Viererzopf flechten: immer den äußeren rechten Strang über den benachbarten legen, dann den äußeren linken Strang über seinen Nachbarn. Diesen Vorgang wiederholen, bis der Zopf komplett geflochten ist. Die Enden fest zusammendrücken und unter den Zopf schieben.
6. Zweite Gehzeit ermöglichen
Ein Backblech mit Backpapier auslegen und den geflochtenen Teig darauf platzieren. Erneut mit einem Küchentuch abdecken und weitere 30 bis 40 Minuten gehen lassen. Der Zopf sollte nochmals an Volumen zunehmen und beim vorsichtigen Antippen leicht nachgeben. Während dieser Zeit den Backofen auf 180 Grad Ober- und Unterhitze vorheizen.
7. Glasur auftragen
Das Eigelb mit einem Esslöffel Milch verquirlen. Den aufgegangenen Zopf vorsichtig, aber gründlich mit dieser Mischung bestreichen. Dabei darauf achten, alle Zwischenräume zu erreichen. Diese Glasur sorgt später für die charakteristische goldbraune, glänzende Oberfläche. Den Hagelzucker gleichmäßig über den Zopf streuen. Der grobe Zucker gibt der Osterpinze nicht nur eine schöne Optik, sondern auch einen angenehmen Crunch.
8. Backen und abkühlen
Das Blech in den vorgeheizten Ofen schieben und die Osterpinze etwa 30 bis 35 Minuten backen. Nach 20 Minuten die Temperatur auf 160 Grad reduzieren, falls die Oberfläche zu dunkel wird. Die Pinze ist fertig, wenn sie goldbraun glänzt und beim Klopfen auf die Unterseite hohl klingt. Aus dem Ofen nehmen und auf einem Kuchengitter vollständig abkühlen lassen. Erst nach dem Abkühlen entwickelt sich die typische Textur vollständig.
Tipp vom Chefkoch
Der gemahlene Anis ist das Herzstück dieses Rezepts. Wer den intensiven Geschmack bevorzugt, kann die Anissamen selbst frisch in einem Mörser zerstoßen, das setzt noch mehr ätherische Öle frei. Alternativ lassen sich auch ganze Anissamen verwenden, die dem Gebäck eine rustikalere Note verleihen. Wichtig ist die Qualität der Hefe: frische Hefe funktioniert bei diesem Rezept deutlich besser als Trockenhefe, da sie dem Teig mehr Triebkraft und Aroma verleiht. Wer die Osterpinze besonders saftig mag, kann zusätzlich 50 Gramm Rosinen in den Teig einarbeiten. Die Gehzeiten sollten unbedingt eingehalten werden, denn nur so entwickelt der Teig seine charakteristische Luftigkeit. An kühlen Tagen kann die Gehzeit sich verlängern, also lieber nach Volumen als nach Uhr gehen. Die fertige Osterpinze lässt sich übrigens hervorragend einfrieren und schmeckt aufgetaut fast wie frisch gebacken.
Getränkeempfehlung zur Osterpinze
Zur Osterpinze passt traditionell ein Glas süßer österreichischer Dessertwein wie ein Trockenbeerenauslese aus der Wachau oder ein Muskateller aus der Steiermark. Die süßen Aromen des Weines harmonieren wunderbar mit dem Anisgeschmack und der butterigen Textur des Gebäcks. Wer es alkoholfrei bevorzugt, sollte einen kräftigen Schwarztee mit einem Schuss Milch und Honig servieren. Auch ein Cappuccino oder ein Melange österreichische Kaffeespezialität aus Kaffee und aufgeschäumter Milch ergänzen die Osterpinze perfekt. Zur Osterzeit wird in Kärnten gerne auch ein Glas hausgemachter Holunderblütensirup mit Mineralwasser gereicht, dessen florale Noten eine interessante Geschmackskombination mit dem Anis bilden.
Zusätzliche Info
Die Osterpinze ist ein fester Bestandteil der Kärntner Ostertradition und wird seit Jahrhunderten in den Familien weitergegeben. Ursprünglich wurde das Gebäck nur zu Ostern gebacken und galt als Symbol für Fruchtbarkeit und Neubeginn. Die geflochtene Form repräsentiert dabei die Verflechtung von Leben und Glauben. In manchen Kärntner Gemeinden gibt es noch heute Wettbewerbe, wer die schönste und größte Osterpinze backen kann. Der Anis, der dem Gebäck seinen charakteristischen Geschmack verleiht, wurde früher als Heilpflanze geschätzt und sollte böse Geister vertreiben. Jede Region in Kärnten hat ihre eigene Variante: manche fügen Rosinen hinzu, andere verwenden Fenchel statt Anis, wieder andere arbeiten mit Orangeat. Die klassische Variante mit Anis bleibt jedoch die beliebteste und authentischste Version dieses österreichischen Traditionsgebäcks.



